Das Backup, das niemand getestet hat, ist kein Backup
Wann habt ihr zuletzt einen Restore getestet? Nicht den nächtlichen Backup-Job, sondern den Weg zurück. Eine Datei, eine Datenbank, ein ganzer Server, in eine isolierte Umgebung, gegen die Uhr.
Die meisten Mittelständler wissen nicht, ob ihr Backup funktioniert. Sie wissen nur, dass es läuft. Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Der nächtliche Job meldet grün, das Dashboard meldet grün, der Dienstleister meldet grün. Drei grüne Lichter sind keine drei Beweise, sondern drei Mal dieselbe Annahme. Niemand hat je überprüft, ob das, was nachts geschrieben wird, sich im Ernstfall auch wieder lesen lässt.
Was im Ernstfall wirklich passiert
Ein Backup stellt sich erst beim Restore als gut heraus. Vorher ist es eine Hoffnung. In meiner Praxis sind mir sehr unterschiedliche Varianten begegnet, in denen genau das schiefging:
- Die Sicherung war vollständig, aber der Restore dauerte nicht drei Stunden, sondern drei Tage. Der Betrieb stand.
- Die Datenbank ließ sich zurückspielen, aber inkonsistent. Halbe Transaktionen, kaputte Beziehungen, ein Datenstand, mit dem niemand arbeiten konnte.
- Das System lief wieder, aber ohne die Konfiguration des laufenden Servers. Was im Backup fehlte, hatte vor Jahren ein Dienstleister von Hand eingestellt, der heute nicht mehr erreichbar ist.
- Das Band war seit zwei Jahren leer beschrieben, weil eine Konfigurationsänderung den Pfad ins Leere gelegt hatte. Niemand hatte es bemerkt, weil der Job grün meldete.
Jeder dieser Fälle wurde am Tag X entdeckt, nicht vorher. Genau dann, wenn keine Zeit mehr ist, nachzuarbeiten.
Was ihr stattdessen tun könnt
Restore wird zur Routine, nicht zur Krise. Konkret heißt das vier Dinge:
- Einmal im Quartal ein vollständiger Restore in eine isolierte Umgebung, mit Stoppuhr.
- Vorher ein definierter Anspruch: wie schnell muss welches System wieder laufen, mit welchem maximalen Datenverlust.
- Eine kurze Doku, die jeder lesen kann, nicht nur die Person, die das Backup ursprünglich aufgesetzt hat.
- Ein schriftlicher Wiederanlaufplan, der bei der Übung getestet und nach jeder Übung aktualisiert wird.
Wer das einmal im Quartal macht, weiß, was er hat. Alles andere ist eine Wette auf das Glück.
Fazit
Ein Backup ohne Restore-Test ist kein Schutz, sondern eine Behauptung. Die Behauptung hält genau so lange, bis sie geprüft wird. Im besten Fall prüft ihr sie selber, in einer ruhigen Stunde im Quartal. Im schlechtesten Fall prüft sie ein Vorfall, in dem jede Stunde Geld kostet.
Wenn ihr nicht sicher seid, was euer Backup im Ernstfall wirklich liefert, schreibt mir. Ein einmal sauber durchgespielter Restore ist meistens schon die ganze Antwort.