Ein gewachsenes Backend modernisieren, ohne dass der Laden stillsteht
Wenn ich Mandanten in Modernisierungs-Projekten begleite, ist das technische Problem fast nie das schwierigste. Das eigentliche Problem ist immer dasselbe: Wie modernisiert ihr ein Backend, das nicht still stehen darf? Mein eigener Modus dafür hat sich über die Jahre zu einer ziemlich ruhigen Linie verfestigt.
Was nicht funktioniert: der große Schnitt
Der Reflex bei Modernisierung ist oft: “Wir bauen das neu, parallel, und schalten dann um.” Das klingt sauber, ist aber in fast jedem realen Projekt eine Falle. Während ihr neu baut, ändern sich die Anforderungen am alten System. Bugs werden in einem System gefixt, im anderen vergessen. Kunden gewöhnen sich an das alte Verhalten, das im neuen anders ist.
Nach zwölf Monaten habt ihr zwei Systeme statt einem, und das neue ist immer noch nicht produktionsreif.
Das passiert nicht aus Inkompetenz, sondern weil parallele Welten unhaltbar sind, sobald die Realität nicht stillsteht.
Was funktioniert: Stück für Stück, im laufenden System
Ich modernisiere lieber im Bestand. Das alte System bleibt das produktive, und einzelne Komponenten werden nacheinander durch neue ersetzt. Eine Datenbank-Tabelle bekommt eine neue API-Schicht. Eine Benutzeroberfläche wird in einer neuen Technologie geschrieben, der Rest bleibt vorerst alt. Ein Service wird ausgekoppelt, alle anderen rufen ihn weiter alt auf.
Diese Schritte sind kleiner, weniger spektakulär, aber sie kommen durch. Jeder Schritt ist innerhalb von Wochen messbar fertig, das alte System läuft weiter, und die Modernisierung schiebt sich Schritt für Schritt voran.
Was beim Mandanten oft fehlt
Geduld. Das Top-Management will einen Termin, an dem “alles neu” ist. Den Termin kann ich nicht liefern. Ich kann liefern: in zwölf Wochen ist Komponente A modernisiert, in weiteren zwölf Wochen Komponente B. Nach zwei Jahren steht das System auf neuen Beinen, und niemand musste über Wochen Zähne zusammenbeißen.
Diese Erwartungs-Justierung passiert vor dem ersten Code-Commit, nicht danach. Wer das nicht klärt, scheitert nicht an der Technik, sondern an der Erwartungs-Lücke.
Fazit
Modernisierung im Bestand ist langsamer in der Wahrnehmung, aber viel schneller in der Realität, weil sie ankommt. Wer überlegt, wie das im eigenen System aussehen könnte, kann mich gerne ansprechen.