Vibe-Coding ist ein gutes Werkzeug, aber kein Berufsbild
Vibe-Coding meint, mit einer KI als Co-Autor zu arbeiten und Code zu generieren, ohne jeden Schritt selbst durchdacht zu haben. Das ist produktiv, manchmal magisch, und in den richtigen Kontexten ein echtes Werkzeug.
Aber es ist kein Berufsbild. Wer ausschließlich im Vibe-Modus arbeitet, baut sich eine Karriere auf einem Fundament, das er selbst nicht versteht.
Wo Vibe-Coding produktiv ist
Bei Boilerplate, der ohnehin schematisch entsteht. Bei Tests und Fixtures, die formelhaft aufgebaut sind. Bei kleinen Tools, deren Lebenszyklus überschaubar ist. Bei Prototypen, bei denen Geschwindigkeit über Wartbarkeit steht. In all diesen Fällen ist KI-Output eine echte Beschleunigung.
Auch beim Erkunden fremder Codebases hilft KI, weil sie Erklärungen schneller liefert als jede Doku.
Wo Vibe-Coding kippt
Bei Geschäftslogik. Bei Architekturentscheidungen, die Jahre tragen müssen. Bei sicherheitsrelevantem Code, in dem ein subtiler Fehler ein Datenleck wird. Bei Refactorings, die Hunderte von Stellen synchron betreffen.
In diesen Fällen liefert KI Vorschläge, die plausibel aussehen, aber das Modell hat keine Vorstellung von der Konsequenz auf Systemebene. Wer den Vorschlag übernimmt, ohne ihn fachlich zu prüfen, baut still einen Fehler ein, der erst Monate später als Bug oder als unwartbarer Code zurückkommt.
Das Problem mit der Karriere
Ein Entwickler, der nur im Vibe-Modus arbeitet, entwickelt seine eigenen Reflexe nicht weiter. Die zweite Sicht, also das Erkennen von “das sieht plausibel aus, aber stimmt nicht”, entsteht nur durch eigenes Schreiben und Verstehen. Wer die KI immer machen lässt, lernt nicht, worauf zu achten ist.
Das ist kein moralisches Problem, sondern ein praktisches. In zwei Jahren wird derjenige, der KI als Werkzeug nutzt aber selbst denken kann, deutlich produktiver sein als der, der die KI als Krücke nutzt.
Was das für Teams bedeutet
KI-Werkzeuge gehören in jedes Team. Aber sie ersetzen keinen erfahrenen Entwickler, der den Output liest, versteht und einordnet. Wer ein Team komplett auf Vibe-Coding aufbaut, hat in der Krise niemanden, der die KI korrigiert.
Fazit
Vibe-Coding ist ein guter Modus, kein Beruf. Wer KI nutzt, ohne die zweite Sicht zu pflegen, fliegt im Blindflug. Wer Sparring sucht, wie KI sinnvoll im Team verankert wird, kann mich ansprechen.