Büroarbeitsplatz aus den Neunzigern mit Röhrenmonitor, vergilbter Tastatur und Aktenstapeln.

Die Software läuft seit 1998. Bis Microsoft etwas ändert.

Es gibt Software, die läuft seit Jahrzehnten. Gebaut in einer Zeit, in der Windows 98 aktuell war. Seitdem hat sich das Unternehmen verändert, die Branche hat sich verändert, die Mitarbeiter haben gewechselt. Aber die Software läuft. Jeden Tag, seit über 25 Jahren.

Bis Microsoft am Dienstag etwas ändert.

Windows-Updates kommen monatlich. Jedes Mal schraubt Microsoft an APIs, Treibern, Sicherheitsmodellen, Laufzeitumgebungen. Meistens merkt ihr nichts. Aber manchmal startet danach eine Anwendung nicht mehr, die seit Jahren stabil war. Kein Angriff, kein Virus, kein Bedienfehler. Einfach ein Update, das eine Schnittstelle verändert hat, auf die sich eure Software verlässt.

Das eigentliche Problem ist nicht das Update

Das Update ist nur der Auslöser. Das eigentliche Problem ist die unsichtbare Abhängigkeit. Eure Geschäftssoftware hängt an einem Betriebssystem, dessen Entwicklung ihr nicht kontrolliert, nicht beeinflusst und oft nicht einmal mitbekommt.

Solange alles läuft, fällt das nicht auf. Niemand denkt über die Windows-API nach, solange die Anwendung startet. Aber jedes Mal, wenn Microsoft etwas modernisiert, wird die Distanz zwischen eurem Programm und dem Betriebssystem größer. Das ist kein einmaliges Risiko, das ist ein monatliches.

Und die Software selbst? Wenn sie in Delphi geschrieben wurde, in einer Zeit, als Bill Clinton regiert hat, findet ihr heute keinen Entwickler mehr, der sie warten will. Die Technologie ist nicht verschwunden, aber die Menschen, die sie beherrschen, werden weniger. Jedes Jahr.

Was ihr stattdessen tun könnt

Die ehrliche Antwort: Browseranwendungen. Eine Software, die im Browser läuft, hängt nicht mehr am Betriebssystem. Kein Patchday, der euch den Morgen ruiniert. Kein Unterschied, ob euer Rechner Windows, macOS oder Linux startet. Keine Abhängigkeit von einer Laufzeitumgebung, die Microsoft nächsten Monat ändern könnte.

Das heißt nicht, dass ihr alles auf einmal umschreiben müsst. Es heißt, dass ihr anfangt, die Abhängigkeit bewusst abzubauen. Modul für Modul, Prozess für Prozess. Nicht weil die alte Software schlecht ist, sondern weil sie auf einem Fundament steht, das sich unter ihr bewegt.

Fazit

Software, die seit 25 Jahren läuft, verdient Respekt. Aber Respekt heißt nicht, sie auf einem Fundament stehen zu lassen, das jeden Monat wackelt. Die Frage ist nicht ob ein Update irgendwann bricht, sondern wann.

Wenn ihr eine gewachsene Anwendung habt, die am Betriebssystem hängt, und nicht wisst, wie der erste Schritt Richtung Browser aussieht, schreibt mir.

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